Interview – Mit Hilke Müller + Gewinnspiel (bis 21.04.2012)


Hilke Müller, ihre Geburtsstadt ist Hannover, inzwischen wohnt sie jedoch schon viele Jahre in einer kleinen Fachwerkstadt im Taunus, wo sie sich sehr geborgen fühlt. In Frankfurt hat sie Französisch und Russisch für das Lehramt an Gymnasien studiert und abgeschlossen, danach zu schreiben begonnen und entdeckt, dass sie keine Lehrerin sondern eine Schreiberin ist. Vermutlich war dies die wichtigste Entdeckung ihres Lebens, denn von diesem Tag an kannte sie ihren Weg. Seit einer Reihe von Jahren veröffentlicht sie Romane und Kurzgeschichten und verdient damit ihren Lebensunterhalt.

 

Mehr über die Autorin auf ihren Homepages Hilke Müller und Leah Bach

 

 

 

Liebe Hilke, wir freuen uns sehr, dass du unserer Einladung gefolgt bist und wir dir nun ein paar Fragen stellen dürfen.

Was gibt es über dich als Mensch zu sagen, wenn du dich mit deinem Sternzeichen vergleichen müsstest?

Ich halte mich für einen ruhigen, zurückhaltenden Menschen, das Feuer, das eine Schützin angeblich haben soll, lebe ich in meinen Geschichten aus.

 

Was ist das Geräusch/der Geruch deiner Kindheit?

Das Rieseln und Tröpfeln eines warmen Sommerregens im Blattwerk hoher Bäume. Der feuchte Dunst, der dann aus der Erde aufsteigt.

 

Du kannst Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt dich diese Reise?

Frühstück auf der Insel Rügen, Mittagessen in Istanbul, Abendessen in einer Oase, irgendwo in der Wüste Sahara.

 

Was ist das Verrückteste, was du je gemacht oder erlebt hast?

Im Prinzip bin ich ein eher vorsichtiger Typ und neige nicht zu Verrücktheiten. Allerdings stellen sich hin und wieder Dinge, die ich für ganz vernünftig hielt, als Irrsinn heraus. Zum Beispiel die Idee, ein zweites Meerschweinchen für meine Tochter zu kaufen. Ein rotbraunes Böckchen namens Bobby, der in Nullkommanichts Stammvater einer gewaltigen Sippe wurde …

 

Wie sieht ein Tag im Leben von Hilke Müller aus?

Sehr unspektakulär. Aufstehen gegen halb neun, frühstücken mit Hund und Kater, danach Gassigehen mit Hundi, der Kater bezieht derweil schon seinen Schlafplatz auf dem Schreibtisch. Gegen elf ist für einige Stunden Schreiben angesagt, am Nachmittag stehen Büroarbeiten und Erledigungen an, auch der Hund hat noch Ansprüche, ebenso die übrigen Mitbewohner meines Hauses. Am Abend setze ich mich meist nochmal an meine Manuskripte.

 

Von den Anfängen bis zum Ziel: Wann hast du mit dem Schreiben begonnen? Wie hieß dein erster veröffentlichter Roman und wovon handelte er? Von wem hast du Unterstützung bekommen? Wie schwierig war es, einen Verlag zu finden?

So viele Fragen auf einmal! Mit dem Schreiben habe ich erst spät begonnen, da war ich schon über Dreißig. Dann aber systematisch und mit viel Elan. Mein erster veröffentlichter Roman hieß „Hexen, Heuchler, Herzensbrecher“, er kam bei Lübbe heraus und man hat mir damals das Pseudonym Nora Brahms aufgedrückt. Ein Erfolg war das Buch nicht – obgleich ich es damals mit viel Begeisterung schrieb. Unterstützt hat mich eine Freundin, sie machte mich auf einen Wettbewerb bei Lübbe aufmerksam.  „Schreiben Sie eine Frauengeschichte …“ oder so ähnlich hieß die Ausschreibung. Nun, Lübbe hat meine Geschichte zwar nicht prämiert, aber immerhin als Buch herausgebracht. Da es jedoch nicht erfolgreich war, hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich den nächsten Roman veröffentlichen konnte. Nicht bei Lübbe sondern im Rosenheimer Verlagshaus und wieder über einen Wettbewerb.

 

Von der Idee zum fertigen Manuskript: Was bedeutet das Schreiben für dich? Wie entsteht die Idee zu einer neuen Geschichte? Plottest du oder schreibst du einfach drauf los? Falls du so etwas kennst … wie gehst du mit einer Schreibblockade um?

Schreiben ist meine Leidenschaft und meine Zuflucht. Hin und wieder aber auch mein Fluch, denn ich muss damit mein Geld verdienen. Das bedeutet strenge Arbeitsdisziplin, am Computer sitzen und schreiben, wenn andere Leute Urlaub machen, immer auf die Abgabetermine schielen, selten die Zeit haben, ein fertiges Manuskript einfach mal eine Weile liegen zu lassen und dann in Ruhe zu überarbeiten. Ich bin eine Geschichtenerzählerin und liebe es, das Genre zu wechseln, oft kommen mir z.B. Ideen für einen Krimi, während ich noch an einem historischen Roman schreibe. Normalerweise plotte ich so gründlich wie möglich, schreibe ein Exposé und schicke es an meine Agentur. Erst wenn der Vertrag unter Dach und Fach ist, beginne ich mit dem Schreiben. Das geht allerdings nur, wenn ich in diesem Genre bereits veröffentlicht habe und der Verlag also weiß, dass ich dieses Buch auch schreiben kann. Schreibblockaden habe ich zum Glück selten, meist liegt es daran, dass irgendein Konflikt oder ein Problem mich vereinnahmen und die Kreativität blockieren. Da hilft nur, ein paar Tage aussetzen und versuchen, eine Lösung zu finden, damit der Kopf wieder frei wird.

 

Kontakte – das Um und Auf: Was bedeuten dir Lesungen? Auf welcher Messe/Convention wird man dich demnächst antreffen? Welche Einstellung hast du zu Foren, Facebook, Twitter etc.? Wie wichtig ist dir der Kontakt zu anderen Autoren?

Lesungen laufe ich nicht nach, frage auch nirgendwo an, verschicke keine Prospekte etc. Wenn ich angefragt werde, komme ich jedoch gern, es macht mir viel Freude, einen Abend vorzubereiten und mit meinen Lesern in Kontakt zu kommen. Normalerweise besuche ich die Frankfurter Buchmesse und bin auf der Booklover Conference zu finden, hin und wieder nehme ich auch an den DeLiA Liebesromantagen teil, in diesem Jahr allerdings nicht. Bei Facebook bin ich vertreten, ich schätze auch Montsegur, wo ich immer wieder gern hineinschaue – ansonsten finde ich, dass diese Aktivitäten mir zu viel Zeit rauben, die ich lieber für das Schreiben nutze. Kontakte zu anderen Autoren sind mir wichtig, schon deshalb, weil das Schreiben eine einsame Arbeit ist, da ist es einfach schön zu wissen, dass es noch unzählige andere Menschen gibt, die ebenfalls grübelnd und in eine andere Welt versunken in die Tasten hauen. Auch der Austausch unter Autoren ist eine gute Sache, denn es gibt eine Menge Dinge, die man einfach nur unter Kollegen beschwatzen kann.

 

Im März ist unter dem Pseudonym Leah Bach dein Roman „Der Himmel über dem Kilimandscharo“ bei Blanvalet erschienen. Magst du uns ein wenig über den Inhalt erzählen?

Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die in Ostfriesland aufwächst, dort jedoch immer eine Fremde bleibt, denn sie gleicht äußerlich ihrer indischen Großmutter. Charlotte scheint nicht gerade vom Glück verfolgt: George, der Mann, in den sie sich unsterblich verliebt, heiratet ausgerechnet ihre Cousine und ihre eigene Ehe steht kurz vor dem Scheitern, als das Geschäft ihres Mannes in Konkurs geht. Doch Charlotte entpuppt sich als eine Kämpferin, sie hat nichts mehr zu verlieren, also entscheidet sie, in der Ferne einen neuen Anfang zu wagen. Die Ferne, das bedeutet die Kolonie Deutsch-Ostafrika, ein fremdes, exotisches Land, von dem Charlotte bisher nur die Berichte der frommen evangelischen Missionare und ein paar Fotos kennt. Sie ahnt nicht, dass George inzwischen auf der Insel Sansibar als Arzt arbeitet …

 

Wie kamst du auf die Idee für dein aktuelles Buch? Was hat dich daran gereizt, es zu schreiben? Wird es eine Fortsetzung geben?

Anstoß war der Vorschlag meines Agenten: „Entwirf doch mal eine große Liebesgeschichte vor exotischem Hintergrund.“ Ich fand diese Aufgabe ungeheuer spannend und meine Phantasie sprang sofort an. Ich habe sogar meinen Ostfriesischen Stammbaum zu Rate gezogen und festgestellt, dass einer meiner Vorfahren Kapitän war und auf einer Ostindienreise ums Leben kam. Ja, es wird eine Fortsetzung geben. „Sanfter Mond über Usambara“ ist bereits geschrieben und wird vermutlich im Frühjahr 2013 bei Blanvalet erscheinen.

 

Wie sah deine Recherchearbeit für den Roman aus? Warst du selbst in Afrika, um ein Gespür für das Land und die Menschen zu bekommen?

Leider war ich nur einmal zu einer Kurzreise in Tansania. Ich habe viele Bücher gelesen, vor allen Dingen Erfahrungsberichte, die Ende des 19. Jahrhunderts verfasst wurden, dazu DVDs gesehen, im Internet recherchiert und Bekannte, die eine Weile in Afrika gelebt haben, befragt. Hilfreich waren auch die Besuche aus unserer Partnergemeinde Moshi, denn auf diese Weise entstanden persönliche Kontakte dorthin.

 

Wenn dein Roman verfilmt würde, wen siehst du in den Hauptrollen?

Keine Ahnung.

 

Welcher Held bzw. welche Heldin deiner Romane ist dein Liebling?

Immer die Figuren, über die ich gerade schreibe.

 

Welcher Figur aus deinen Romanen möchtest du niemals begegnen?

Eigentlich mag ich sie alle ganz gern, auch die Mieslinge. Nun ja – wenn ich darüber nachdenke: Gilbert de Brionne aus „Die Tochter des Gerbers“, ein zwar interessanter Typ, aber zugleich ein eiskalter Mistkerl. Sowas würde ich mir im richtigen Leben schon gern ersparen.

 

Welchen Autor magst du am liebsten? Und welches seiner Bücher?

Die Kurzgeschichten von Anton Cechov.

 

Mit welcher literarischen Figur würdest du gern einen Tag verbringen?

Mit diesem netten Mönch aus „Der Name der Rose“. Wie hieß er doch? William von Baskerville.

 

Bei welchem historischen Ereignis wärst du gerne dabei gewesen?

Bestimmt nicht beim Sturm auf die Bastille und auch nicht beim Fall von Konstantinopel. Vielleicht bei der Eröffnung des Suezkanals?

 

Was ist für dich der schwierigste Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?

Definitiv der erste Satz. Den letzten Satz weiß ich oft schon, bevor ich das Kapitel beginne. So z.B. bei der „Tochter des Gerbers“.

 

Woran arbeitest du gerade? Worauf dürfen sich deine Leser künftig freuen?

Momentan arbeite ich am nächsten historischen Roman, der zur der Zeit von Richard Löwenherz im Heiligen Land spielt.

 

Welchen Ratschlag würdest du noch unentdeckten Autoren mit auf den Weg geben?

Vor Jahren hatte ich in Irland ein Gespräch mit der Schriftstellerin Maeve Binchy, damals stand ich gerade am Anfang und hatte außer einigen Kurzgeschichten noch nicht viel vorzuweisen. „You want to become a writer?“, fragte sie mich, und als ich nickte, meinte sie energisch: „Hold on!“. Ich habe ihren Rat beherzigt (er hatte etwas von einem Befehl, denn sie ist eine starke Persönlichkeit). Durchhalten, sich nicht entmutigen lassen, einfach beharrlich seinen Weg gehen – das ist in diesem Job ungeheuer wichtig.

 

Liebe Hilke, das AusZeit-Magazin bedankt sich für das ausführliche Beantworten der Fragen! Für die Zukunft wünschen wir dir alles Gute und viel Erfolg mit deinen Romanen.

 

Das Interview führte Linda Köberl

 

Eine kleine Übersicht der Bücher der Autorin:

 

Gewinnspiel

 

Zu gewinnen gibt es …

eine signierte Ausgabe des historischen Romans

Die Tochter des Gerbers

Die junge Arlette scheint das Glückskind der Gerberfamilie Fulbert zu sein. Sie ist nicht nur ungewöhnlich hübsch, sondern zudem klug und ehrgeizig. Doch als sie von einem Adeligen vergewaltigt und schwanger wird, fällt sie tief. Sie wird als Hure verschrien und mit Verachtung gestraft. Beschämt weist Arlette den Annäherungsversuch eines jungen Ritters ab, der sie bewundert. Noch ahnt sie nicht, dass Herluin de Conteville in einigen Jahren ihr Ehemann und die große Liebe ihres Lebens sein wird. Auch wenn ihr berühmtester Sohn, Wilhelm der Eroberer, von einem anderen stammt: von Robert, dem Herzog der Normandie …

sowie eine signierte Ausgabe des Romans

Der Himmel über dem Kilimandscharo

Charlotte Harmsen träumt von der großen weiten Welt, von Reisen in exotische Länder und hat es mit dem Heiraten nicht eilig. Sie ist 22, als ihr der weitaus ältere Christian Otten einen Antrag macht. Fasziniert von seinem Laden, in dem es exotische Gewürze, Tabak und Waren aus Übersee gibt, stimmt sie seinem Werben zu. Und bereut dies bald bitterlich. Denn Christian betrügt sie und steht bald kurz vor dem finanziellen Ruin. Charlotte weiß, dass sie nur eine Chance auf eine Zukunft haben: indem sie Deutschland verlassen und in der Ferne ein neues Leben beginnen …

Wenn ihr eines der beiden Bücher gewinnen möchtet, verratet uns welches und begründet bitte kurz eure Entscheidung!

Schickt eure Antwort bis spätestens 21.04.2012  – 18 Uhr mit eurer vollständigen Adresse an kontakt@auszeit-magazin.com oder nutzt unser Kontaktformular und mit etwas Glück gehört euch bald ein signiertes Exemplar von Die Tochter des Gerbers oder Der Himmel über dem Kilimandscharo. Der Gewinner wird am 21.04.2012 nach 19 Uhr via Mail verständigt!

Anmerkung: Teilnehmen können Leser und Leserinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mails ohne Adressangabe nehmen an der Verlosung nicht teil. Eure Daten werden nach dem Gewinnspiel gelöscht und nicht an Dritte weitergegeben. Mit der Teilnahme bestätigt ihr eure Volljährigkeit. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das AusZeit-Team wünscht viel Glück!

 

Eine Antwort auf Interview – Mit Hilke Müller + Gewinnspiel (bis 21.04.2012)

  • Sanders, Arno sagt:

    Ich würde gern den Killimandscharo Himmel haben mögen, denn das andere Buch “Die Gerberstochter hab ich schon gelesen und vielfach weiterempfohlen.
    Aber leider ist die Zeit zur Anmeldung schon vorbei. Viele Grüsse aus Berlin, Arno

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