Interview – Mit Kerstin Groeper
Do it in a good way
„Oyate Wica ´Ni Ktelo – Das Volk soll leben“
Liebe Kerstin, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten
Das Schreiben wurde dir von deinem Vater, der Schriftsteller war, in die Wiege gelegt. Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden?
Nee …aber dann schon ziemlich bald. Ich habe schon als Kind gerne Geschichten geschrieben, mich aber nie getraut in die Fußstapfen meines Vaters zu treten.
Wie viele von uns, hast auch du wahrscheinlich Karl May gelesen und diverse Western gesehen. Wann kam erstmals der Gedanke, dass nicht alles der Wahrheit entspricht, was uns vorgegaukelt wird?
So mit 14 Jahren. Da hat mein Vater ein Buch über die deutschen Auswanderer nach Texas geschrieben und hatte zur Recherche Briefe dieser Auswanderer da. Die haben ganz andere Sachen über Indianer geschrieben. Und natürlich habe ich die Bücher von Liselotte Welskopf Henrich gelesen und kurz darauf Dee Brown mit „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“.
Wie kamen die ersten Kontakte mit Indianern zustande?
Eigentlich bereits in den 80 iger Jahren in Kanada. Und dann natürlich über die Sprache.
Du sprichst fließend Lakota. Wo und vor allem warum lerntest du ihre Sprache?
Fließend wäre übertrieben. Ich glaube, dass es selbst bei den Lakota nur mehr wenige gibt, die diese Sprache fließend sprechen. Gelernt habe ich sie, weil sie mir gefiel! Ich wollte verstehen, was die tatsächlich bei „Der mit dem Wolf tanzt“ sagen, und heutzutage höre ich auch die Fehler.
Native Americans haben eine andere Kultur, mit der viele Weiße nicht klar kommen. Wie gehst du mit der indianischen Kultur um?
Man lernt viel für sich selbst. Vor allen Dingen Respekt und das Zuhören.
Wie wichtig ist es für dich, die indianische Kultur authentisch in deinen Büchern zu schildern?
Sehr!
Hattest du Bedenken, ob dieses Genre bei den Lesern Anklang findet, als du anfingst zu schreiben?
Als ich anfing zu schreiben, hatte ich eine Szene im Kopf und Charaktere. An Leser habe ich da noch gar nicht gedacht.
Woher nimmst du die Inspiration für deine Bücher?
Hilfe! Die Geschichten sind einfach da. Manchmal entstehen auch Bilder durch die Reisen, die ich unternehme oder durch prägende Begegnungen, manchmal auch nur durch Landschaftseindrücke.
Historische Informationen kann man aus Fachbüchern recherchieren. Feinheiten, die ein Buch zu etwas Besonderem machen, wie zB das Benehmen/Auftreten eines traditionellen Indianers, wird man vergeblich darin suchen. Woher nimmst du dieses Wissen?
Nur durch persönlichen Kontakt. Meine Charaktere haben alle einen realen Hintergrund. Ich stelle mir lebende Menschen (Indianer) vor, wenn ich Szenen schreibe und überlege mir, wie die reagieren würden. Indianer leben heutzutage zwar modern, ihre Denk- und Handlungsweise ist aber immer noch „indianisch“.
Es muss manchmal belastend sein, mit dem Bewusstsein zu schreiben, dass die schrecklichen Dinge tatsächlich stattgefunden haben.
Ich verfalle jedes Mal in Depressionen.
Du verfasst Artikel für Zeitschriften, schreibst Bücher, hältst Vorträge und Lesungen, bist auf Messen
unterwegs, um den Menschen die Kultur und Spiritualität der Lakota näher zu bringen, seit kurzem bist du Vorstandsmitglied von Quo Vadis und du hast Familie. Wie bringst du das alles unter einen Hut?
Gar nicht! Manchmal kommt das Schreiben zu kurz.
Möchtest du uns Unternehmungen/Projekte schildern, an denen du beteiligt bist?
Was mir viel Freude bereitet, ist es Konzert-Tourneen für Wade Fernandez oder Mitch Walking Elk zu organisieren. Außerdem trommle ich wo es geht für die Lakota Horsemenship und dem Winterprojekt, beides Organisationen, die sich für die Lakota auf Pine Ridge einsetzen.
Könntest du dir vorstellen, in einem anderen Genre zu schreiben?
Warum nicht? Ich habe bereits einen fertigen Krimi, der in Siena handelt. Aber Verlage sind meist sehr konservativ und nehmen andere Themen einer Autorin erst gar nicht an.
Auf welche Bücher darf sich der Leser künftig freuen?
Indianer! Wie ein Funke im Feuer ist gerade im Druck. Außerdem habe ich einen weiteren 1000 Seiten Roman fertig. Im Moment schreibe ich ein Buch über ein Cheyenne-Mädchen.
Sehr packend!
Falls ich etwas Wesentliches vergessen habe, hast du hier die Möglichkeit dich zu äußern:
Jedes Buch ist eine Menge Arbeit ….also seid nachsichtig mit den Autoren!
Das AusZeit-Magazin bedankt sich für das Beantworten der Fragen und wünscht dir weiterhin viel Erfolg.
Das Interview führte Andrea
Hier geht‘s zur Homepage der Autorin: www.kerstin-groeper.de
Eine kleine Auswahl ihrer Bücher:


































