Interview – Mit Michael Hübner + Gewinnspiel (bis 20.06.2012)



Mein Name ist Michael Hübner, ich bin geboren am 06.07.1968 und lebe mit meiner Frau, meinen drei Töchtern und meinem Hund Lucky in der Nähe von Koblenz. Bevor ich meiner Berufung zum Autor gefolgt bin, war ich als Keramiker, Verkäufer, Logistiker und freiberuflicher Webdesigner tätig. In meiner Freizeit verreise ich gerne, lese sehr viel, verbringe Zeit mit Familie und Freunden und fotografiere mit Leidenschaft.

 

Wer mehr über den Autor erfahren möchte, kann dies unter folgenden Links tun:

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Interview

Lieber Michael, ein herzliches Willkommen bei uns im AusZeit-Magazin! Ich freue mich sehr, dass Du Dir die Zeit nimmst, ein bisschen mit mir über Dich und Deine Arbeit als Autor zu plaudern. Beginnen möchte ich gerne mit ein paar persönlichen Fragen …

  • Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen, wenn Du Dich mit Deinem Sternzeichen vergleichen müsstest?

Ehrlich gesagt, habe ich mich nie mit Dingen wie Sternzeichen beschäftigt. Daher kann ich nicht viel Vergleichendes dazu sagen. Aber ich bin ein geradliniger Mensch, ein Realist und Träumer zugleich, gerechtigkeitsliebend, offen, ehrlich, humorvoll und kann unheimlich bequem sein. Passt das zu einem Krebs?

 

  • Wie sieht ein perfekter Tag in Deinem Leben aus?

Ein Tag ist für mich schon dann perfekt, wenn ich ihn frei und unabhängig gestalten kann. Wenn mir dann noch das Schreiben gut von der Hand geht, ich nebenbei noch Zeit für Familie und Freunde finde, bei herrlichem Sonnenschein ein selbstgegrilltes Steak und ein eiskaltes Bier genießen kann und abschließend ein gutes Buch in meiner Hängematte auf mich wartet, DANN ist er nahezu vollkommen!

 

  • Was bereitet Dir gute Laune? Und was bringt Dich so richtig auf die Palme?

Mich mit Freunden zu treffen und Spaß zu haben – eben einfach mal das Leben genießen zu können –, ist für mich der beste Garant für gute Laune. Jede gute Rezension meiner Bücher rettet mir den Tag. Aber auch jede geschriebene Manuskriptseite bereitet mir Freude (zumindest, wenn ich sie als brauchbar erachte). Eine gute Idee kann mich sogar in einen regelrechten Glückszustand versetzen. An Tagen, an denen es hingegen mit dem Schreiben nicht so klappern will, spricht man mich besser nicht an. Mit Sturheit erreicht man bei mir gar nichts. Und von den einen oder anderen Behörden und Institutionen würde ich mir wünschen, dass sie endlich mal im einundzwanzigsten Jahrhundert ankommen, da sie mich mit ihrer altertümlichen Bürokratie nur Zeit kosten und mich offensichtlich in den Wahnsinn treiben wollen (sollte ich mal ein Buch drüber schreiben).

 

  • Welchen Traum hast Du Dir noch nicht erfüllt, es Dir aber ganz fest vorgenommen?

Im Grunde bin ich ein ziemlich bescheidener Mensch und brauche nicht viel, um mich wohl zu fühlen. Und einer meiner größten Träume ist ja schon in Erfüllung gegangen. Ich bin Schriftsteller und habe bereits zwei Bücher veröffentlicht. Noch vor zweieinhalb Jahren hätte ich das für eine ziemliche Illusion gehalten. Dennoch sind da ein paar Träume übriggeblieben, was auch gut so ist. Denn Träume sind Ziele, und die sollte man als Mensch haben. Natürlich möchte ich mit meinen Büchern so viele Leser wie möglich erreichen. Ein Platz auf der Bestsellerliste wäre schon ein absoluter Traum (sehr bescheiden, ich weiß). Auch gibt es noch ein paar Länder, die ich gerne bereisen möchte. Und dann wäre da noch dieser völlig überzogene (aber unglaublich elektrisierende) Männertraum von einem bestimmten Auto (die Leser meines Erstlings werden in etwa wissen, welches ich meine): Ein rotes, 68er Ford Mustang Cabrio (bescheidener geht’s ja gar nicht!). Für mich der Inbegriff eines Traumwagens. Vielleicht gelingt es mir ja eines Tages doch noch, meine Frau zu überreden, dass wir sowas dringend brauchen.

 

  • Drei Dinge, die auf der einsamen Insel niemals fehlen dürfen?

Ein gegrilltes Steak, ein kühles Bier … na gut, lassen wir das Existenzielle mal beiseite. Dann würde ich sagen: Genug zu lesen, ein Notizbuch und auf jeden Fall meine Hängematte!

 

  • Was ist das Verrückteste, was Du je gemacht oder erlebt hast?

Ich habe mal mit Socken unter der Dusche gestanden, weil ich gedanklich noch so in einer meiner Geschichten festhing, dass ich vergessen hatte, sie vorher auszuziehen (kein Witz). Aber Spaß beiseite. Als ich Ende zwanzig war, habe ich spontan beschlossen, dass es an der Zeit für eine Veränderung in meinem Leben ist. Daraufhin habe ich meinen verhassten Job als Verkäufer hingeschmissen, mir ein Flugticket besorgt und bin ein halbes Jahr mit dem Rucksack durch Thailand gereist. Auf den ersten Blick eine ziemlich überstürzte und vielleicht sogar verrückte Entscheidung. Aber gleichzeitig eine der besten meines Lebens! Ich habe in dieser Zeit viele interessante Menschen getroffen und mehr über das Leben gelernt, als mir eine Schule je hätte beibringen können. Erfahrungen, von denen ich bis heute profitiere. Ich kann getrost behaupten, dass ich seitdem ein anderer Mensch bin. Übrigens habe ich dort auch meine Hängematte gekauft. ;)

 

 

Lieber Michael, im April 2011 erschien Dein Debüt „Stigma“ im Goldmann Verlag. Seit wenigen Wochen liegt auch schon Dein zweiter Thriller „Sterbestunde“ in den Buchläden und wird mit derselben Begeisterung von Deinen Lesern angenommen wie Dein Debüt.

  • Wenn Du heute zurückblickst, was hat sich in diesem Jahr für Dich als Autor getan? Was hat sich verändert? Um welche Erfahrungen bist Du reicher geworden? Und was würdest Du heute eventuell anders anpacken?

Mein Leben hat sich in dem Sinne positiv verändert, dass ich heute endlich das tun kann, was ich am liebsten tue, nämlich schreiben. Anders machen würde ich daher heute sicher nichts. Mehr als einen guten Agenten und einen der größten deutschen Publikumsverlage kann man sich als Autor kaum wünschen. Den Rest müssen die Leser entscheiden. Und da hat es mich doch erstaunt, wie weit die Meinungen zwischen gut und schlecht auseinandergehen können. Und wie abhängig ich plötzlich von diesen Meinungen war. Jede gute Rezension bringt einen weiter, jede schlechte kostet einen Leser. Damit musste ich erst einmal klarkommen.

 

  • Gibt es Menschen, die Dich auf Deinem schriftstellerischen Weg bis zur Veröffentlichung unterstützt haben?

Natürlich. In erster Linie wären da meine Frau und einige meiner engsten Freunde zu nennen. Sie müssen immer als Testleser meiner Manuskripte herhalten, und sie haben mir immer wieder Mut gemacht und mich darin bestärkt, weiterzumachen. Auch hält mir meine Frau Tag für Tag den Rücken frei, damit ich meine Arbeit machen kann. Eine Leistung, die ich ihr gar nicht hoch genug anrechnen kann! Dann ist da noch mein Agent, der Unglaubliches für mich geleistet hat. Er hat das Kunststück vollbracht, die größten Verlage dieses Landes auf mich aufmerksam zu machen. Ich behaupte mal, ohne ihn würden wir dieses Interview hier nicht führen.

 

Auf Deiner Homepage www.michaelhuebner.de erfährt man, dass Du Dir schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht hast.

  • Kannst Du Dich noch an Dein erstes, richtiges Schreibprojekt erinnern? Hast Du es beendet oder liegt es halbfertig in der Schublade?

Mein erstes Projekt war ein Comic, den ich aber nie vollendet habe, da meine zeichnerischen Fähigkeiten, wohlwollend ausgedrückt, als bescheiden zu betrachten sind. Zum ersten Mal hat mich mein Deutschlehrer in der sechsten Klasse auf mein Schreibtalent aufmerksam gemacht. Wir sollten einen Aufsatz schreiben, und die Aufgabe bestand darin, sich eines von drei vorgegebenen Bildern auszusuchen und sich dazu eine Geschichte auszudenken. Das tat ich natürlich und ging mit gutem Gefühl nachhause. Eine Woche später bekamen wir die Aufsätze korrigiert zurück, und mein damaliger Lehrer hatte die Eigenart, die Arbeiten nach Noten zu sortieren, wobei er immer mit den besten anfing und sich die schlechtesten für den Schluss aufhob. Zuletzt hielt er nur noch meine Arbeit in der Hand, und ich dachte: Mein Gott, jetzt bekommst du den Verriss deines Lebens! Doch zu meinem Erstaunen rief er mich zu sich nach vorne und behauptete vor der ganzen Klasse, dies sei die beste Arbeit, die er in dieser Altersklasse je korrigiert habe. Ich bekam eine Eins plus mit Sternchen, die beste Note meiner gesamten Schulzeit. Auf den Gedanken, mich ernsthaft mit dem Schreiben zu beschäftigen, kam ich aber erst mit Mitte zwanzig zum ersten Mal. Damals habe ich ein paar beachtliche Kurzgeschichten zustande gebracht. Mein erster Romanversuch war dagegen weniger erfolgreich. Ich habe Jahre später ein paar Seiten davon in einem Karton wiedergefunden und bin im Nachhinein froh, dass ich sie nie jemandem gezeigt habe. Denn sie verdeutlichten mir sehr drastisch, dass man trotz Talent nicht zwangsläufig zum Schriftsteller geboren wird.

 

  • Inzwischen arbeitest du hauptberuflich als Autor. Hat das Schreiben seither eine andere Bedeutung für Dich? Gehst Du heute vielleicht sogar anders an die Planung eines neuen Projekts heran?

Natürlich ist da immer die Angst, dass ich irgendwann von meiner Arbeit nicht mehr leben kann. Der Markt wird heutzutage überschwemmt mit neuen Büchern und neuen Autoren, und jeden Tag werden im Internet hunderte von Buchempfehlungen ausgesprochen. Da passiert es schnell, dass man untergeht oder in Vergessenheit gerät. Doch davon lasse ich mich in keinster Weise beeinflussen. Ich genieße jeden Tag, den ich ungezwungen gestalten und an dem ich mich ganz dem Schreiben hingeben kann. An der Art, wie ich das tue, hat sich jedenfalls nichts geändert. Außer, dass ich mittlerweile in ein Textverarbeitungsprogramm investiert habe, dass mir das tägliche Arbeiten als Autor erheblich erleichtert und ich mich nicht mehr mit den Tücken eines bekannten, weit verbreiteten Textverarbeitungsprogramms herumärgern muss.

 

Dein Psychothriller „Stigma“ war Dein Erstling und wurde sofort ein voller Erfolg. Weißt Du noch, wie Du dich gefühlt und/oder was Du gedacht hast, als Dir so richtig bewusst wurde, dass die Leser von Deinem Debüt begeistert sind?

Es waren unglaublich tolle Gefühle, die die vielen begeisterten Zuschriften in mir ausgelöst haben. Etliche Leser und Leserinnen haben sich sogar bei mir dafür bedankt, dass ich dieses Buch geschrieben habe. Das hat mich total sprachlos gemacht. Selbst als Autor hätte ich in diesen Momenten Schwierigkeiten gehabt, meine Gefühle zu beschreiben. Wenn die eigene Arbeit, in die man Monate seines Lebens investiert hat (mal abgesehen von den Jahren der Übung, in denen man immer wieder mit sich selbst gehadert hat), auf solche Weise Anklang findet, dann löst das schon einen gewaltigen Erdrutsch von Gefühlen aus. Dankbarkeit, Freude, Stolz, Bestätigung … aber auch die Verantwortung, in diesem Sinne weiterzumachen und meine Leser nicht zu enttäuschen. Es zeigte mir, dass ich das Richtige tue. Was kann es Schöneres geben?

 

  • Über deine zweite Veröffentlichung sagt unsere Rezensentin:

“Sterbestunde” ist ein überaus packender und fesselnder Thriller, angereichert mit jeder Menge Spannung, Action, überraschenden Wendungen und authentischen, sympathischen Figuren, die das Lesevergnügen komplett machen.

Klingt nach einer ausgezeichneten Mischung – für die der Autor jede Menge Arbeit und Herzblut investiert haben muss. Was waren für Dich die schwierigsten Aspekte des Schreibens von „Sterbestunde“ und was ist Dir wiederum leicht gefallen?

Das Schwierigste war sicherlich die Entwicklung der beiden Figuren Sven Becker und Walter Koschny, die ja im Verlauf der Geschichte einige Wandlungen durchlaufen und sich trotz ihrer persönlichen Differenzen zusammenraufen müssen. So etwas glaubhaft darzustellen ist sehr schwierig und verlangt eine gewisse Tiefe der Figuren, die ihre Beweggründe offen legt. Daher habe ich dieser ungewöhnlichen Beziehung, der ja im späteren Verlauf der Geschichte eine entscheidende Bedeutung zukommt, am meisten Sorgfalt gewidmet. Dagegen fällt es mir grundsätzlich immer leichter, Szenen darzustellen, in denen das Böse eine Rolle spielt. Das hat aber nichts mit einer verborgenen dunklen Seite in mir zu tun, sondern liegt einfach in der Natur der Sache, denn das Böse lässt sich wesentlich vielschichtiger darstellen. Man ist nicht gezwungen, sich an bestehende Konventionen zu halten, sondern kann tun und lassen, was man will. Da kann man sich als Autor natürlich mal so richtig austoben.

 

Eine Geschichte entsteht üblicherweise aufgrund einer Idee, einer Eingebung, eines Geistesblitzes. Was waren Deine ersten Überlegungen zu „Sterbestunde“?

Ich habe einen Artikel in einer Zeitschrift gelesen, der mich sehr interessierte. Dann habe ich mich unwillkürlich die berühmte Was-wäre-wenn-Frage gestellt, und meine grauen Zellen machten sich sofort an die Arbeit. Als Erstes sah ich das Altenheim vor mir, und ich wusste sofort, dass es der perfekte Schauplatz für das war, was ich mir ausgedacht hatte. Als ich dann später aufgrund meiner Recherchen feststellen musste, dass diese Idee nicht nur brisant war, sondern sich bereits ähnliche Ereignisse in der Vergangenheit zugetragen hatten, hat mich das ziemlich schockiert. Und es hat mir wieder einmal gezeigt, dass ich mich mit meiner Fantasie sehr oft nahe an der Realität bewege.

 

In einem Interview hast Du erwähnt, dass Dir Deine Figuren und ihre Entwicklung besonders am Herzen liegen. Mit dem Kommissar Sven Becker hast Du einen sehr sympathischen und interessanten Charakter ins Rennen geschickt, der gerade in einer persönlichen Lebenskrise steckt.

  • Was waren Deine ersten Überlegungen zu Sven, bevor Du angefangen hast, seine Geschichte niederzuschreiben? War er die erste Figur, die Du für „Sterbestunde“ zum Leben erweckt hast?

Man mag mir das glauben oder nicht, aber ich entwerfe meine Figuren vorher nicht am Reißbrett. Natürlich habe ich meistens eine grobe Vorstellung von ihnen. Die bezieht sich aber oftmals nur auf die äußere Erscheinung und ein paar Grundeigenschaften. Ich gebe meinen Figuren immer den größtmöglichen Spielraum, sich mit der Geschichte zu entwickeln. Meistens dichte ich ihnen etwas an und überlege dann, wie sie darauf reagieren. Das verleiht ihnen die Glaubwürdigkeit und Tiefe, auf die ich sehr viel Wert lege.

 

  • Gibt es eine fiktive Person aus Deinen beiden Büchern die Dir während des Schreibprozesses besonders ans Herz gewachsen ist? Wenn ja, welche und warum?

Sven Becker ist sicher mein persönlichster Charakter. Wir sind uns in vielen Dingen ähnlich. Aber mein absoluter Liebling ist natürlich Fanta. Es vergeht fast kein Tag, an dem wir uns nicht treffen und angeregt miteinander plaudern. Er inspiriert mich immer wieder. Wer wissen möchte, warum, der sollte zuvor meinen Thriller Stigma lesen, denn sonst verrate ich hier womöglich zu viel.

 

  • Wie schwer fällt es Dir, nicht für jede Deiner Figuren die Geschichte mit einem „Happy End“ ausgehen zu lassen? Oder anders gefragt: Wie sehr leidest Du mit, wenn Deine Figuren Verluste erleben?

Ich war nie ein Anhänger von bedingungslosen Happy Ends. Jede Geschichte hinterlässt ihre Spuren, selbst wenn sie sich zum Positiven wendet. Und ich denke wir wissen alle, dass in der Realität am Ende nicht immer die Guten gewinnen. Das Thema Verlust spielt in meinen Geschichten oft eine entscheidende Rolle, denn es ist eine der größten Ängste der Menschen, etwas oder jemanden zu verlieren. Natürlich versuche ich, mich so gut es geht in meine Charaktere hineinzuversetzen, aber eben nur auf einer fiktiven Ebene. Da hält sich das mit dem Leiden in Grenzen. Es sei denn, ich gebe durch sie persönliche Erfahrungen wieder, dann kann es auch schon mal etwas emotionaler bei mir werden. Aber meistens leide ich wesentlich mehr, wenn ich mir abends die Nachrichten ansehe, die mir auf erschreckende Weise aufzeigen, dass die Realität oftmals schlimmer ist als meine Fantasie, von der ich mir oft genug einrede, dass sie krank und abwegig ist.

 

  • Unsere Rezensentin war auch von dem Humor in „Sterbestunde“ begeistert und erwähnt in der Buchbesprechung unter anderem folgendes:

„Neben dem ungleichen Ermittlerduo lernen wir auch den Journalisten Walter Koschny kennen, der Sven bei der Sache vor zwei Jahren praktisch ans Messer lieferte. Es gibt kein Aufeinandertreffen der beiden, das nicht in einer wortgewaltigen Auseinandersetzung endet, was immer wieder für köstlich humorige Einlagen sorgt …“

Ich frage Dich als Leser sowie als Autor: Wie wichtig sind Dir – neben Spannung und Action  – humorvolle, auflockernde Szenen in einem Thriller?

Das kommt sicherlich immer auf die Erzählweise einer Geschichte und die Auslegung der Charaktere an. Aber im Grunde spricht eigentlich nichts dagegen. Jede Geschichte – auch wenn sie ein noch so brisantes Thema erzählt – sollte sich auf Dauer nicht zu ernst nehmen. Das wahre Leben hat ja auch nicht nur seine schlechten Seiten. Warum sollte es dann in der fiktiven Welt anders zugehen? Gerade dort werden Dinge ja oftmals überspitzt dargestellt. Im Fall von Sterbestunde drängte es sich aufgrund der zwei völlig unterschiedlichen Hauptcharaktere sogar geradezu auf. Denn wenn zwei Menschen bei jeder Gelegenheit aufeinander losgehen, erzeugt das zwar Spannung, wirkt aber auf Dauer nicht sonderlich sympathisch. Das sollten Hauptfiguren aber sein, wenn sie beim Leser gut ankommen sollen. Humor schien mir in diesem Fall das geeignetste Mittel zu sein, zumal er sich in einigen Situationen gar nicht vermeiden ließ.

 

  • Oft wird behauptet, man schreibt das, was man selbst gerne lesen würde. Würdest Du dieser Aussage zustimmen?

Voll und ganz! Man orientiert sich ja immer am eigenen Geschmack. Als Leser geht es mir mit einem Buch ja oftmals so, dass ich mir denke: das hätte ich aber anders gelöst oder das hätte man spannender machen können. Oftmals entstehen daraus sogar eigene Ideen für ein Buch, das man dann genau so schreiben kann, wie man es selbst gerne lesen würde.

 

  • Stephen King gehört zu Deinen Lieblingsautoren. Gibt es unter seinen Veröffentlichungen ein Werk, das Dir besonders gut gefällt? Wenn ja, was macht Deiner Meinung nach dieses Buch besonders?

Sein gewaltiges literarisches Werk auf ein einziges Buch zu beschränken, ist für mich nahezu unmöglich. Gerade mit seinem neuesten Roman Der Anschlag hat er mal wieder eindrucksvoll bewiesen, dass es immer noch drauf hat und keinesfalls nur auf die Horrorschiene zu beschränken ist. Aber ich begnüge mich mal mit zwei seiner bekanntesten Arbeiten: Es und The Stand – Das letzte Gefecht sind für mich Meisterwerke. Ersteres hat in mir durch die lebendigen Beschreibungen und Figuren zum Teil Erinnerungen an meine eigene Kindheit geweckt (wenn man von den grausigen Ereignissen einmal absieht). Außerdem spielt King in dieser Geschichte virtuos mit den Ängsten seiner Leser und durchbricht dabei mit seiner Erzählweise, die immer wieder in Rückblenden abdriftet, sämtliche schriftstellerischen Konventionen, ohne dass der Leser dies als störend empfindet. Bei The Stand gefällt mir besonders die Grundfrage der Geschichte: Wie entwickelt sich die menschliche Gesellschaft, wenn sie am Boden liegt und noch einmal ganz von vorne beginnen muss? Die simple Antwort lautet: Ganz genauso! Es bilden sich dieselben Strukturen, und es werden dieselben Fehler gemacht. Alles wiederholt sich. Eine Feststellung, die realistischer nicht sein könnte, wie uns die Weltwirtschaft in regelmäßigen Abständen immer wieder beweist.

 

  • Kannst Du Dir vorstellen, auch mal ein anderes Genre zu erkunden? Wenn ja, welches würde Dich am meisten reizen und warum?

Als Leser? Sicherlich, da bin ich für (fast) alles offen, obwohl diese Ausflüge meistens nicht lange andauern. Als Autor? Nein! Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Da halte ich mich lieber an die Devise: „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Ich denke mal, das ist auch eher im Sinne meiner Leser.

 

  • Abschließend: Ich habe gelesen, dass Dein dritter Roman bereits fertiggestellt ist und auf Veröffentlichung wartet. Darfst Du schon ein klein wenig darüber verraten, worauf sich Deine Leser freuen dürfen?

Wünsch Dir was! Diese Aufforderung offenbart sich Dirk Bukowski in Form eines Popup-Fensters auf seinem Computerbildschirm. Er hält das Ganze für einen harmlosen Werbegag und tippt genervt in die darunterliegende Eingabezeile: Ich habe bereits alles! Mit reichlich Genugtuung betätigt er die Enter-Taste – und schon bald darauf beginnt der schlimmste Albtraum seines Lebens …

Dies ist eine der Schlüsselszenen in meinem dritten Buch, in dem es wieder um einiges härter zur Sache geht. Ich habe zu ziemlich drastischen Mitteln gegriffen, um das Martyrium zu vermitteln, das meine Hauptfigur aufgrund dieser simplen Handlung durchleiden muss. Den einen oder anderen dürfte das ziemlich mitnehmen, vielleicht sogar schockieren. Ich kann mir sogar vorstellen, dass so mancher Internetnutzer sein Surfverhalten nach Beenden des Buches radikal verändern, oder zumindest darüber nachdenken wird, welche Informationen er zukünftig ins Netz stellt und mit wem er chattet. Denn das Buch handelt von den Gefahren des Internet und der modernen Kommunikationstechnik. Es geht um einen Hacker, der sich an der Gesellschaft rächen will, indem er gezielt Menschen über das Internet manipuliert und attackiert, und das auf eine solch perfide und geschickte Weise, dass es ihm gelingt, diesen Menschen alles zu nehmen und zu zerstören, was ihnen am wichtigsten ist, bis er sie schließlich in den Selbstmord treibt. Dabei schreckt er auch nicht vor Methoden zurück, die an Grausamkeit kaum zu überbieten sind.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig Neugier wecken :)

 

Lieber Michael, im Namen des AusZeit-Magazins bedanke ich mich ganz herzlich für das Beantworten der Fragen. Für die Zukunft wünschen wir Dir alles Gute und weiterhin viele begeisterte Leser!

 

Das Interview führte Eva Isabella Leitold

Gewinnspiel

Mit freundlicher Unterstützung 

des Goldmann Verlags

verlosen wir

zwei Ausgaben des Thrillers

“Sterbestunde” von Michael Hübner

 

Ein Menschenleben bedeutet ihnen nichts…

 
Wegen eines Autounfalls, bei dem ein Pfleger getötet wurde, gerät ein Altenheim ins Visier der Koblenzer Polizei. Kommissar Sven Becker, der die Ermittlungen leitet, stößt auf ein weiteres brisantes Detail: Die Blutprobe einer verstorbenen Heimbewohnerin enthält rätselhafte, HIV-resistente Zellen. Noch bevor der Heimdirektor dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann, ist er verschwunden. Und Becker bekommt es mit skrupellosen Gegnern zu tun, denen ein Menschenleben nicht das Geringste bedeutet …

 

  Wenn ihr eines der zwei Bücher gewinnen wollt, beantwortet folgende Fragen:

 

Unsere Rezensentin war von “Sterbestunde” begeistert (Hier geht’s zur Rezi *klick*). Den Hauptkommissar Sven Becker beschreibt sie als äußerst sympathischen, aber auch als interessanten Helden.

1) Welche Eigenschaften muss ein Held in einem Thriller mitbringen, um bei euch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen bzw. um auf euch interessant und zugleich sympathisch zu wirken? (Nennt mindestens 3 Charaktereigenschaften)

2) Welcher Romanheld aus einem bereits gelesenen Thriller ist euer persönlicher Favorit?

 

 Schickt eure Antworten bis spätestens 20.06.2012 – 18 Uhr mit eurer vollständigen Adresse an kontakt@auszeit-magazin.com oder nutzt unser Kontaktformular und mit etwas Glück (es wird unter allen Teilnehmern ausgelost) gehört euch bald ein Exemplar von Sterbestunde. Der Gewinner/die Gewinnerin wird am 20.06.2012 nach 19 Uhr via Mail verständigt!

 

WICHTIG: Teilnehmen können Leser und Leserinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mails ohne Adressangabe nehmen an der Verlosung nicht teil. Eure Daten werden nach dem Gewinnspiel gelöscht und nicht an Dritte weitergegeben. Mit der Teilnahme bestätigt ihr eure Volljährigkeit. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Das AusZeit-Team wünscht viel Glück!

 

 

Bücher des Autors:
 

 

2 Antworten auf Interview – Mit Michael Hübner + Gewinnspiel (bis 20.06.2012)

  • Danke erstmal für dieses gelungene Interview! :-)

    Der Held muss definitiv seinen eigenen Kopf durchsetzen wollen (also ein wenig Sturheit), dann finde ich es immer sehr amüsant wenn sie ein bisschen eigentümlich sind und zu guter letzt muss er immer den Ansporn haben, dass böse zu besiegen. Also Sturheit, Eigentümlichkeit und Gutherzigkeit.
    Mein persönlicher Favorit ist Robert Hunter (Chris Carter – Der Kruzifixkiller, usw.), denn ich mag es wie er tickt und handelt. Er hat selbst einige schlimme Dinge erlebt und der Leser erfährt in jedem Band ein bisschen mehr über ihn.

  • Nabura sagt:

    Mein Buch ist Heute Angekommen, Vielen Dank dafür! In Echt sieht das Cover noch gruseliger aus als auf dem Bildschirm – Ganz schön blutig… ;-)

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