BuchReview – Ich bin kein Serienkiller von Dan Wells


Ich bin kein Serienkiller

von Dan Wells

Reihe: John Cleaver, Band 1
Originaltitel: I Am Not a Serial Killer
Genre: Thriller
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: November 2010
Seitenanzahl: 384 Seiten TB
Preis: € 9,99

 

 

 

Inhalt

Clayton, eine Kleinstadt im Mittleren Westen der USA: Der fünfzehnjährige John will eigentlich ein ganz normaler Teenager sein, die Schule besuchen und Mädchen kennenlernen. Doch er weiß, dass in ihm ein düsteres Geheimnis schlummert. Es ist nicht nur das Interesse an Serienkillern, das sein ganzes Leben bestimmt, nicht nur seine Faszination vom Tod. Es ist die Furcht, dass er eines Tages selbst zum Killer wird. Denn John trägt ein Monster in sich. Und als unerklärliche Morde in der Stadt geschehen, muss er sich nicht nur einem dämonischen Gegner stellen, sondern auch sich selbst …

 

Einschätzung

Serienmörder haben mich schon immer fasziniert. Egal, ob sie nun Jack the Ripper, Herman Webster Mudgett alias H.H. Holmes oder Hannibal Lector heißen. Vermutlich hat mir meine Tochter das Buch deshalb zum Geburtstag geschenkt ;-) Der Klappentext hat mich gleich an „Dexter“ – eine meiner Lieblingsserien – erinnert. Auch dort geht es um die Frage, warum diese Menschen tun, was sie tun. Es ist ein Mysterium, dem Dan Wells in seinem Roman auf die Spur zu kommen versucht. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen. Wie oft bekommt man schon die Gelegenheit, in die Psyche eines Serienkillers einzutauchen? Meistens wird doch die Sichtweise der Opfer oder Polizisten beleuchtet. Diesmal geht es allerdings darum, in die Haut eines Soziopathen zu schlüpfen. Um genau zu sein, in die des 15jährigen John Cleaver, der schon immer das Gefühl hatte, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Wobei es nicht nur das Interesse an Serienmördern im Allgemeinen ist (wussten Sie, dass es drei Merkmale gibt, die bei 95% aller Serienkiller auftreten? Bettnässen, Pyromanie und Tierquälerei!), sondern auch ein morbides Verlangen, tote Körper anzufassen und sie zu studieren. In diesem Fall kommt es John zugute, dass seine Mutter – gemeinsam mit ihrer Schwester – Inhaberin einer Leichenhalle ist. Leider bleibt ihr sein Eifer bei der Einbalsamierung der Toten nicht verborgen. Die Verbannung aus dem Krematorium bringt jedoch nicht den gewünschten Erfolg. John sucht sich ein neues Hobby: Er will dem Serienmörder, der neuerdings in seiner Heimatstadt umgeht, auf die Spur kommen. Als es ihm tatsächlich gelingt, ist er hin und her gerissen zwischen dem Drang, ihn bei der „Arbeit“ zu beobachten und dem Wunsch, das Richtige zu tun. Allerdings war Selbstjustiz noch nie der richtige Weg, oder?! Während John den Killer observiert, wird er vor weitere Probleme gestellt. Eines davon hört auf den Namen Mr Monster und drängt darauf, zum Spielen herausgelassen zu werden.

Was mir besonders gut gefallen hat, war die Brise schwarzen Humors, mit der der Thriller gewürzt wurde. Eine kleine Kostprobe gefällig? ;-)

„Ich lächle, weil ich mir vorstelle, wie du von innen aussiehst.“
„Was?“, fragte Rob, dann lachte er. „Oh, Junge, willst du mir drohen? Glaubst du wirklich, du könntest mir Angst machen, du Baby?“
„Ich leide eindeutig an Soziopathie“, erklärte ich. „Weißt du, was das bedeutet?“
„Das bedeutet, dass du ein Freak bist“, sagte er.
„Es bedeutet, dass du mir ungefähr so wichtig bist wie eine Pappschachtel“, sagte ich. „Du bist für mich nur ein Ding – ein Stück Müll, das nur noch niemand weggeworfen hat. Entspricht dies dem, was ich sagen sollte?“
„Halt den Mund“, fauchte Rob mich an. Er spielte immer noch den starken Mann, aber es funktionierte nicht mehr richtig, weil ihm nichts mehr einfiel.
„Das Schöne an Schachteln ist, dass man sie öffnen kann“, fuhr ich fort. „Selbst wenn sie von außen völlig langweilig sind, könnte etwas Interessantes in ihnen stecken. Während du also alle diese dummen, langweiligen Sätze dahersagst, stell ich mir vor, wie es wäre, dich aufzuschneiden und herauszufinden, wie du von innen aussiehst.“

John Cleaver verfügt über keinerlei empathischen Fähigkeiten. Deshalb studiert er seine Mitmenschen, versucht auf rationale Weise ihr Verhalten einzuordnen und sie nachzuahmen, um in der Gesellschaft nicht aufzufallen. Außerdem hat er sich selbst Regeln auferlegt, die einzig und allein einem Zweck dienen: Niemanden zu töten.

Abgesehen von John gibt es noch unzählige interessante Charaktere, die ich hier allerdings nur kurz erwähnen möchte. Zum einen ist da Johns Mutter, die sich schwer tut, mit ihrem Sohn umzugehen. Ein Vater, der durch Abwesenheit glänzt. Eine große Schwester, die ihn noch am ehesten von allen Familienmitgliedern versteht. Der Psychiater Dr. Neblin, der seinem Schützling Hilfestellung anbietet … zu jeder Tages- und Nachtzeit. Johns bester Freund Max, der erst viel später erkennt, wie John tatsächlich tickt. Bill und Kay Crowley, die netten alte Leutchen von nebenan, die ihn für das Schneeschaufeln mit einer Tasse heißem Kakao belohnen. Und dann ist da noch Brooke, das Mädchen aus der Nachbarschaft, das zu einer Art Obsession für ihn wird.

Dan Wells hat mir bereits mit seinem Kommentar in der Vita – der Roman ist nicht autobiografisch … ganz ehrlich – ein Lächeln entlockt. Klar, solch ein Roman, noch dazu in Ich-Perspektive geschrieben, kann schon mal zu Mutmaßungen anregen ;-) Es war äußerst interessant, Einblicke in die Psyche eines Serienmörders zu gewinnen. Was mich jedoch ein wenig gestört hat, war die Tatsache, dass sich paranormale Elemente eingeschlichen haben. Ich hätte mir eine „bodenständigere“ Story gewünscht.

Das Cover von Piper lässt vermutlich jeden, der eine Schwäche für Serienkiller im Allgemeinen und Blut im Besonderen hat, zugreifen. Darauf zu sehen ist eine graue Wand, auf die der Name des Autors in schwarzen Lettern geschrieben steht. Der Titel des Romans ist scheinbar mit frischem Blut geschrieben, davon zeugt zumindest das „I“, an dem noch ein Blutstropfen hinab läuft.

 

Fazit

Keine Autobiografie, aber dennoch ein unterhaltsamer Roman mit jeder Menge schwarzem Humor, der seine Kritiker gleichermaßen provoziert, wie er seine Leser begeistert. Dafür gibt es von mir 4 von 5 Punkten! (LK)

 


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